Riester-Reform 2026 - Was das Altersvorsorge-Depot verspricht
Am Freitag, den 27.03.2026, hat der Bundestag die Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge beschlossen. Ab 2027 soll es Steuervorteile zur Altersvorsorge geben auch ohne Rentenversicherung.
In diesem Artikel ordne ich alle Fakten ein und beurteile die Chancen, aber auch potentiellen Nachteile. Vor allem für junge Anleger:innen und Menschen mit bestehenden Riester-Verträgen bietet die Reform große Chancen. Dieser Artikel ist reine Information, keine individuelle Anlageberatung. Unten findet sich mein Terminbuchungslink für ein unverbindliches Erstgespräch deiner individuellen Situation.

1) Status Quo Riester
Über 20 Millionen Riester-Verträge wurden seit 2001 verkauft. Die allermeisten davon enttäuschten die Erwartungen der Anleger. Zurecht kämpften zahlreiche Verbraucherschutz-Organisationen gegen das von Lobby-Interessen durchsetzte Politikversagen namens Riester.
Vor allem hohe Kosten richteten großen Schaden an und die Versicherungsbranche machte sich die Taschen voll. Dazu wurde auf echte Beratung der Anleger:innen verzichtet, die Chancen des Kapitalmarkts nicht erklärt, sondern mit staatlichen Zulagen, Steuervorteilen und Garantien verkauft.
Inzwischen hat sich dank der Aufklärungsarbeit (auch auf Seiten der Finanzbranche selbst) weitestgehend die Erkenntnis durchgesetzt, dass sich Riester-Renten oft nicht lohnen. Nur für Anleger mit niedrigem Gehalt <30.000 EUR Brutto, mit >3 Kindern oder mittelbar Riester-Berechtigte, die nur den Mindestbeitrag von 60 EUR p.a. leisten mussten war Riestern eine gute Idee.
Dass schon ein Viertel aller verkauften Verträge vorzeitig gekündigt wurde [1], spricht eine klare Sprache. Und doch gibt es noch immer 15 Millionen Verträge. Einige davon dürften jedoch schon beitragsfrei gestellt sein. Das war die Empfehlung guter Finanzberater, vor allem zuletzt seit absehbar ist, dass eine Riester-Reform kommen sollte. Denn schon lange stand fest: Bestehende Riester-Verträge können umgedeckt werden auf das neue Altersvorsorge-Depot - und zwar ohne die erhaltenen Förderungen und Steuervorteile zurückgeben zu müssen. Aber zunächst zu den aktuellen Plänen.
2) Das neue System
Neben dem Altersvorsorge-Depot wird es weiterhin eine Versicherungslösung geben. Diese versprechen Sicherheits-orientierten Anlegern eine Beitragsgarantie: die eingezahlten Beiträge sind dabei immer garantiert. Faktisch heißt das, das die nicht investiert sind. Sie liegen lediglich im Sicherungsvermögen des Versicherers und erwirtschaften 1 bis 2 % Rendite. Das ist für ältere Anleger interessant sein, die vor der Rente noch ein paar Jahre staatliche Zulagen mitnehmen möchten und im Alter eine lebenslang garantierte Rente haben möchten.
Für alle anderen sollte das Altersvorsorge-Depot jedoch Mittel der Wahl sein. Hier können die Fonds, in die das eigene Geld investiert ist, selbst gewählt werden. Somit können auch hier konservative Anleger mit wenig Risiko anlegen, trotzdem aber ordentliche Erträge erwirtschaften.
In der Entnahmephase ab 65 kann das Kapital entnommen werden. Dabei soll das vorhandene Kapital bis mindestens 85 entnommen werden. Das stellt einen großen Vorteil im Vergleich zu Riester-Rentenversicherungen dar, die oft mit großen Risikoaufschlägen kalkulieren und das Geld eher bis 95 aufteilen [2]. Das übrige Kapital bei statistisch einfach wahrscheinlich früherem Versterben ist dann schlichtweg weg.
Fest steht, dass es jeder Anbieter ein "Standard-Produkt" mit Kostendeckel anbieten muss (1,0% p.a.). Das freut Verbraucherschutzorganisationen. Als Anlageberater muss ich sagen, dass es schwer wird, damit zu konkurrieren. 0,3% wären schon mal von den Fondskosten und der Infrastruktur in Anspruch genommen. Bleibt 0,59% p.a. ohne MwSt. für die Beratung. Das kann nur wirtschaftlich sein bei Umdeckung einer bestehenden Riester-Rente.
Aber die Herausforderung wird die Branche beleben. Ansonsten sind neben dem Standard-Produkt weitere Möglichkeit erlaubt, die für Anleger:innen mit Beratungswunsch oder auch Interesse an nachhaltigen Geldanlagen infragekommen.
Kurios ist, dass auch der Staat selbst ein Produkt anbieten möchte, was die Finanzbranche in Aufruhr versetzt. Umgesetzt werden könnte das von der Bundesbank oder dem KENFO, dem Fonds für Atommüll-Entsorgung, der auch für die Reform der gesetzlichen Rente (Stichwort Generationenkapital) vorgesehen war.
3) Zuschüsse & Steuervorteile im neuen System
Ähnlich wie bisher die Riester bleibt der mögliche Sparbeitrag im neuen System gedeckelt. Bis 1.800 EUR Jahresbeitrag (150€/m) gibt es die Grundzulage bis 540 EUR. Dazu gibt es pro Kind 300 EUR.
Die gezahlten Beiträge (inklusive Zulagen) sollen steuerlich absetzbar sein. Hier spielt das zu versteuernde Gehalt und der persönliche Grenzsteuersatz eine Rolle. Bei 50.000 EUR wären das aktuell 35 %, ab 69.879 EUR Spitzensteuersatz 42%. Bei einem Kind ergibt sich also nochmal eine Steuerrückerstattung von ca. 1.000 EUR.
Dafür muss jedoch das ausgezahlte Kapital in der Entnahmephase voll versteuert werden, ähnlich wie auch bisher bei Riester und Rürup-Rente. In den meisten Fällen ist der Steuersatz im Alter jedoch geringer als im Erwerbsleben und es entsteht ein tatsächlicher Steuervorteil. Zudem ist auch allein die spätere Fälligkeit der Seuern ein Vorteil, da diese in der Zwischenzeit Rendite für den Anleger erwirtschaften können.
4) Chancen für Riester-Altverträge
Bestehende Riester-Verträge mit den traditionell hohen Kosten dürfen auf das neue AV-Depot umgedeckt werden - und zwar ohne erhaltene Zulagen oder Steuerersparnisse abziehen zu müssen, wie das bei einer regulären Kündigung der Fall war. Somit haben Anleger die Chance, mit einer einfachen Umstellung die erwartete Rentenkapital deutlich zu erhöhen. Folgend zwei Fallbeispiele.
Annahmen
- gleiches eingezahltes Kapital (Riester fortgeführt mit maximal förderfähigem Beitrag im AV-Depot)
- Rendite Riester nach Kosten: Sparphase 3 % p.a. [3]; Entnahmephase 1 % p.a.
- Rendite AV-Depot nach Kosten: Sparplahse 6 % p.a.; Entnahmephase 3 % p.a.
A. 35-jähriges Paar mit zwei Kindern
- gemeinsames Brutto >80.000 EUR
- vor 10 Jahren Riester abgeschlossen
- 2 Kinder gerade geboren (18 Jahre Kinderzulage)
Option 1) Riester-Rente weiterlaufen lassen
- Vertragsguthaben heute: 24.400 EUR
- Kapital mit 67: 198.400 EUR
- lebenslange Verrentung: 640 EUR/Monat
Option 2) Wechel zu Altersvorsorge-Depot
- Guthaben auf AV-Depot umdecken abzgl. Gebühr: 24.350 EUR
- Kapital mit 67: 398.400 EUR
- Verrentung bis 87: 2.200 EUR/Monat
B. 50-jährige Person ohne Kind
- Brutto >70.000 EUR
- vor 20 Jahren Riester abgeschlossen
Option 1) Riester-Rente weiterlaufen lassen
- Vertragsguthaben heute: 57.300 EUR
- Kapital mit 67: 146.500 EUR
- lebenslange Verrentung: 470 EUR/Monat
Option 2) Wechel zu Altersvorsorge-Depot
- Guthaben auf AV-Depot umdecken abzgl. Gebühr: 57.250 EUR
- Kapital mit 67: 222.300 EUR
- Verrentung bis 87: 1.200 EUR/Monat
In beiden Fällen lohnt sich die Umstellung deutlich. Hauptursache sind schlichtweg die höheren Renditen einer wirklichen Kapitalanlage statt einer Versicherung mit Garantie. Außerdem macht der Verrentungseffekt einen großen Unterschied. Auch wenn in Fallbeispiel B das Rentenkapital "nur" circa die Hälfte höher ist, ist die tatsächlich ausgezahlte Rente erwartungsgemäß doch um den Faktor 2,5 höher.
Für jüngere Anleger (ob mit oder ohne Kinder) ist die Umstellung noch offensichtlicher vorteilhaft. Im Beispiel führt sie zu einer Verdoppelung des Kapitals mit 67 und sogar einer Verdreifachung der Rente.
Fazit
Die Riester-Reform bietet insbesondere für Anleger mit Bestandsverträgen eine große Chance, um ihre Altersvorsorge besser aufzustellen. Mit dem neuen Altersvorsorge-Depot kann aber jeder von staatlicher Förderung profitieren OHNE die Nachteile einer Rentenversicherung.
Es bleibt abzuwarten, ob sich zum 1.1.2027 schon ein breites Produktangebot etabliert. Eine Sparrate von 150 EUR im Monat allein wird angesichts der Finanzierungslücke in der gesetzlichen Rente jedoch mit Sicherheit nicht reichen für eine vollständige Altersvorsorge.
Für eine professionelle Ruhestandsplanung stehe ich als Anlageberater gerne zur Verfügung. Als Portfoliomanager habe ich dabei einen ganzheitlichen Blick auf das Vermögen meiner Kunden und biete mit eigener Vermögensverwaltung eine fortschrittliche Lösung für liquide Anlagen als Basis für dein Finanzkonzept.
Niklas Krämer
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Quellen
[2] https://hartmutwalz.de/sterblichkeitsgewinne/
[3] Die Renditeannahme der Riester ist darin begründet, dass auch bei nur 80-prozentiger Beitragsgarantie über die Vertragslaufzeit nur eine Teil der Gelder tatsächlich investiert ist. Eine Auswertung der Verbraucherschutz-Organisation Finanzwende kam in den meisten Fällen sogar auf nur 0,8 - 1,0% nach Kosten (>hier<). Das war zwar sehr kritisch kalkuliert, aber die hier getroffene Annahme beschreibt einen guten Riester-Vertrag aus meiner Sicht treffend.
