1,4% mehr Rendite durch das richtige Portfolio-Setup
Meiner Erfahrung nach beschäftigen sich Anleger oft mit den falschen Themen. Es mag unterschiedliche Ansätze geben, ob Einzelaktien oder ein passives ETF-Portfolio, aber selbst für die Fraktion der ETF-Anleger gibt es noch einige Stellschrauben, mit denen sich versteckte Kosten vermeiden und systematische Vorteile realisieren lassen. Um diese soll es in diesem Beitrag gehen.
In Summe lassen sich damit für ETF-Anleger ca. 1,4% mehr Rendite realisieren. Und hier spreche ich von echter Mehrrendite, nicht Schönrechnerei von Versicherungsvermittlern, bei denen die Absetzbarkeit von Rürup-Renten als Rendite dargestellt werden ohne Berücksichtigung der Steuerlast in der Entnahmephase sowie die gravierenden Nachteile einer lebenslang garantierten Verrentung.
1) Effiziente Abbildung des US‑Aktienanteils
Auf Dividenden von US-Aktien berechnet der amerikanische Fiskus eine Quellsteuer. Diese beträgt 30%. Bei Einzelaktien greift für Deutsche Anleger das Doppelbesteuerungsabkommen. Hiernach werden die Quellsteuer auf 15% reduziert und diese vollständig auf die Deutsche Kapitalertragssteuer angerechnet. Dies gilt auch für Fonds, die nachweisen können, dass sie einen überwiegend einheitlichen Anlegerkreis unter gleichem Steuerrecht haben. Bei ETFs ist das jedoch anders: lediglich Irland hat mit den USA ein Abkommen, dass Managern von Fonds mit Domizil auf der Insel erlaubt, zumindest die Hälfte der US-Quellsteuer zurückzufordern. Das ist auch der Grund, warum so viele ETFs in Irland aufgelegt sind (ISIN beginnt mit "IE").
In einem Weltportfolio mit 50% Gewichtung von US-Titeln mit durchschnittlicher Dividenden-Ausschüttung von 2% p.a. lässt sich die Gesamtrendite auf Portfolio-Ebene schon um 0,15% p.a. erhöhen, allein mit der Wahl des richtigen Fondsdomizils.
Noch effizienter geht es jedoch mit einem synthethischen ETF. In Abschnitt 871(m) des US-HIRE-Gesetzes werden Swaps auf Indizes auf hochliquiden Terminmärkten ausdrücklich von der Zahlungspflicht der Quellsteuer auf Dividenden ausgenommen. Statt die Dividenden physisch zu vereinnahmen, wird die Indexrendite über einen Tauschvertrag (Swap) abgebildet. Mit diesem strukturellen Vorteil wirbt jüngst auch Scalable mit ihrem Eigenprodukt, das sie in Kooperation mit der DWS aufgelegt haben.
Übrigens: Mit seinem "Big Beautiful Act" plante Trump zwischenzeitlich, die Quellsteuer für ausländische Investoren sogar auf 50% zu erhöhen. Das hätte tatsächlich auch nur physisch replizierende ETFs betroffen, nicht SWAP-ETFs.
Damit ergibt sich im Beispiel sogar ein Renditevorteil von 0,3% p.a. auf Gesamtportfolio-Ebene. Wichtig ist, nur etablierte Anbieter mit transparenter Swap‑Struktur, klaren Sicherheitenpools und guter Regulierung zu wählen. Französische Anbieter neigen zum Beispiel dazu, oft nur die Investmentbank des eigenen Konzern als Swap-Partner einzusetzen. Die DWS zum Beispiel verteilt die Swaps auf verschiedene, unabhängige Partner. Da auch bei Swap-ETFs rechtlich verpflichtend 90% des Portfolios physisch repliziert werden, ist das Swap-Risiko insgesagt übrigens vernachlässigbar. Der positive Effekt auf die Quellsteuer gilt unabhängig davon.
2) Versteckte Gebühren der Depotbank
Genauso wichtig wie die Auswahl ist die Wahl der Depotbank. Hier ist ein auf den ersten Blick günstiges Setup oft nicht beste Wahl. Neobroker wie Trade Republic waren schon in der Kritik, als gebührenfrei beworbene Sparpläne zu Börsenrandzeiten durchzuführen, in denen der Spread zwischen Kauf- und Verkaufpreis höher ist, aus dem auch die Broker von den jeweiligen Handelsplätzen eine Provision erhielten.
Auch bei professionellen Depotbanken wie der FFB und FNZ gilt ein Auge fürs Detail: Es geht nicht nur um die jährliche Depotführung von 45 € bzw. 56 € und gesondere Transaktionskosten für ETFs von 2 € bzw. 0,2%, sondern auch darum, wie Kauf- und Verkaufkurse gestellt werden.
Beide erlauben sich bei Fremdwährungsumsätzen (FX) bei z.B. in USD-gehandelten Fonds noch eine Marge von 0,6%. Zusätzlich entsteht durch das sogenannte "Staging" ein Verlust: viele Depotbanken führen Order nämlich nicht in Echtzeit direkt an der Börse aus, sondern zu einem Kurs, der 3x am Tag festgesetzt wird - mit einer Marge von 0,3-0,6%. Das findet sich in keiner Preis-Leistungs-Übersicht.
Bei einer Investition von 500.000 € in ein Portfolio, bei dem die 50% US-Anteil versehentlich in einen Dollar-gehandelten Fonds allokiert werden, entstehen so schnell 5.000 € versteckte Kosten (bei 50% US-Anteil mit 0,6% FX und 0,45% addition trading fees durch Staging). Auf einen Anlagehorizont von 10 Jahren bei Ein- und Ausstieg entspricht das einem Renditeverlust von 0,17% p.a..
Bevorzuge daher Broker, die direkten Zugang zu regulierten Börsenplätzen (z. B. Xetra, gettex, Tradegate oder internationale Börsen) bieten und Echtzeit‑Kurse bzw. enge Spreads ermöglichen. Da sind höhere Depotführungs-Ggebühren bei Premium-Banken wie der V-Bank schnell die günstigere Lösung.
3) Primäremissionen bei Anleihefonds
Im Gegensatz zu Aktien haben Anleihen eine fixe Laufzeit. Entsprechend müssen Fonds und ETFs immer wieder neu Anleihen zeichnen und Unternehmen (und Staaten) immer wieder neu Anleihen emittieren. Hier haben wir also einen sehr lebendigen Primärmarkt und Fondsmanager können ihre Anleihen auch direkt dort zeichnen statt erst nach Emittierung an der Börse als Sekundärkapitalmarkt zu kaufen.
Am Primärmarkt kann ein Fondsmanager Anleihen zum exakten Emissionspreis zeichnen oder sogar 0,1-0,2% darunter aufgrund von Emissionsrabatten. Ist eine Anleihe an der Börse, liegt der Aufschlag selbst bei stark gehandelten Anleihen bei 0,1-0,5%.
Bei einer durchschnittlichen Laufzeit von 5 Jahren rechnen sich 0,7% Einkaufsvorteil zu 0,14% p.a. Renditevorteil um. Demgegenüber stehen bei aktiven Fonds natürlich auch ggf. höhere Fondskosten. Jedoch zeichnen auch manche ETF-Gesellschaften am Primärmarkt.
4) Währungsrisiko bei Anleihen hedgen
Dies erhöht zwar nicht die Rendite des Portfolios, senkt aber die Volatilität (Schwankung) bei gleicher Rendite. Und da Rendite immer zusammen mit dem damit einhergehenden Risiko betrachtet werden sollte ("sharpe ratio") ist das faktisch ein Gewinn.
Außerdem kann dann bei gleichem Risiko eine höhere Aktienquote mit entsprechend höherem Ertrag gewählt werden. Ein 60/40 Aktien/Anleihen-Portfolio entspricht im Risiko nach Hedging des Währungsrisikos der Nicht-Euro-Anleihen (angenommen 70% der Anleihen) etwa einem 64/36-Portfolio. Durch die höhere Aktienquote ergibt sich jedoch eine höhere erwartete Rendite von 0,15% p.a..

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5) Steuerliche Überlegungen: Fokus auf Nettorendite
Ein Prinzip sollte dir als Anleger unbedingt bekannt sein: First-in-first-out. Wenn du ein Wertpapier über Jahre oder sogar Jahrzehnte besparst, werden bei einem Verkauf immer die ältesten Anteil verkauft.
Dies stellt Wertpapieren mit hohen Renditen einen Nachteil dar. Besser für dich als Anleger wäre es, jüngere Anteile zuerst zu verkaufen, damit die hohen (noch zu versteuernden) Gewinne der am längsten liegenden Anteile weiter für dich arbeiten können, bevor sie steuerfällig werden.
Bei einem Sparplan über 25 Jahre macht die Besteuerung unterwegs vs. endfällig 15% weniger Netto-Ertrag aus. Bei 1.000 € pro Monat geht es in absoluten Zahlen am Ende um 160.000 €. Auf eine jährliche Rendite umgerechnet, ergibt sich ein potenzieller Mehrertrag von 0,6% p.a..
Ganz verwirklichen lässt sich dieser Stundungseffekt mit einer privaten Rentenversicherung, bei der jedoch unbedingt Auszahlung als lebenslange Rente vermieden werden sollte. Besser ist der "Trick", das offizielle Renteneintrittsalter auf 85 zu setzen und Entnahmen in Eigenverantwortung zu tätigen.
Aber auch im Depot lässt sich der Stundungseffekt zumindest teilsweise nutzen: Setzt du zum Beispiel alle 8 Jahre deine Sparpläne neu auf und tätigst deine Entnahmen bzw. auch Umschichtungen für ein Rebalancing zu einem defensiverem Portfolio im Alter zunächst aus der jüngsten Fonds"generation", können die ältesten Erträge länger liegen bleiben.
Fazit
Mit dem richtigen Setup ergibt sich also schnell ein Renditevorteil von 1,4% p.a. - ohne dass du an deiner grundlegenden Anlagephilosophie etwas ändern musst. Darüber hinaus gibt es natürlich noch weitere Möglichkeiten. Zum Beispiel erweist sich ein antizyklisches Risikomanagement, mit dem man systematisch Risikoprämien in Krisen einsammelt, als in der Lage, 0,7% p.a. Mehrrendite zu realisieren bei gleichzeitig um ca. 25% reduzierten Drawdowns in Krisen sowie halb so langer Erholungszeit.
Am wichtigsten ist und bleibt aber, eine zum persönlichen Risikobedürfnis und zur Risikotragfähigkeit passende strategische Vermögenswert-Allokation zu wählen und diese dann auch regelmäßig zu rebalancen. Durch die Wahl steuerlich optimierter ETFs und einer kosteneffizienten Bankstruktur lässt sich dann die Nettorendite maximieren.

