
bAV für Geschäftsführer - Strategische Überlegungen & Marktvergleich 2026
Deine GmbH schreibt stabil Gewinne und du bist dem Thema betriebliche Altersvorsorge begegnet, um Betriebsvermögen steueroptimiert in Privatvermögen zu wandeln? Dieser Beitrag unterstützt dich bei der Entscheidungsfindung und bezieht dabei auch strategische Überlegungen ein. Denn wenn zum Beispiel ein Verkauf der Firma in der Zukunft in Betracht kommt, verändern sich die Dinge wesentlich und eine Entscheidung, die heute optimal ist, kann in 10 Jahren unbequem werden.
Der übliche Set-up
Zunächst solltest du dir ein ordentliches Gehalt auszahlen. Das ist vollständig als Betriebsausgabe absetzbar und sozialversicherungsfrei, solange du beherrschender Gesellschafter bist. Zudem stellt das auch die Bonität deiner natürlichen Person sicher und du kannst privat Immobilien zur Kapitalanlage kaufen.
In den meisten Fällen empfiehlt es sich, zumindest auf 65.000 Euro zu versteuerndes Einkommen zu kommen mit einem Grenzsteuersatz von 40 %. Günstiger und unkomplizierter bekommt man Geld kaum aus einer GmbH. Nach typischen Sonderausgaben-Abzügen entspricht das einer Auszahlung von ca. 70.000 Euro im Jahr. Kommen Immobilien dazu, ist deren Abschreibung dazuzurechnen.
Existiert eine Holding, kann der Gewinn darüber hinaus als Gewinn hochgezogen werden. Hier beträgt die Steuerlast aktuell ca. 30 % Steuerlast, ab 2028 wird das schrittweise auf 25 % sinken. Dort kann in einem Holding-Depot in Wertpapiere investiert werden. Aufgrund der nahezu vollständigen Steuerbefreiung von Veräußerungsgewinnen bietet sich eine Einzelaktien-Strategie an. Dafür braucht es allerdings auch den richtigen Steuerberater an der Seite, damit die Kosten der Steuererklärung nicht explodieren.
Doch nach Gewinnausschüttung ist das Kapital immer in der Holding gebunden. Ausschüttungen ins Privatvermögen sind erneut mit 25 % zu versteuern. Zwar kann die teilweise Steuerstundung (erst nur 30 bzw. bald 25 % bei Ausschüttung in Holding, statt 40 % bei direkter Auszahlung) bei renditereicher Geldanlage trotz erneuter, in Summe höherer Versteuerung letztlich effektiver sein, besser noch wäre aber eine vollständige Stundung - und da kommt die betriebliche Altersvorsorge ins Spiel.
Das Versprechen der betrieblichen Altersvorsorge
Bis 8.112 Euro (2026) darfst du dir jedes Jahr zusätzlich zu deinem Gehalt aus deiner operativen GmbH steuerfrei zahlen in drei der fünf Durchführungsformen der bAV. Am einfachsten und daher sinnvollsten ist - sowohl nur für den GF selbst und umso mehr, wenn die bAV auch für Mitarbeiter offenstehen soll - die Form der Direktversicherung.
Wir sind generell erstmal keine Fans von Versicherungen bei der Geldanlage. Nur wenn sich deren übliche Nachteile durch präzise Vertragsgestaltung vermeiden lassen, können Sie bei konkreten Problem sehr effizient sein. Und so auch hier: Denn während bei einer privaten Rürup-Rentenversicherung, die sogar bis 30.800 Euro steuerfrei bespart werden kann, Verrentungszwang besteht, ist bei der bAV eine einmalige Auszahlung bis zu 30 % des Kapitals zu Renteneintritt erlaubt.
Warum ist das interessant? Weil bei der Umwandlung des Rentenkapitals in eine lebenslange Rente, Versicherer meist unrealistisch hohe Lebenserwartungen ansetzen und statistisch oft doch nur 2/3 des Kapitals tatsächlich jemals ausgezahlt wird. Die bAV Direktversicherung löst das Problem teilweise, aber nicht ganz.
Weitere Überlegungen - Unternehmensverkauf
Dazu kommt, dass deine GmbH nicht unbedingt bis zu deinem Renteneintritt bestehen bleiben muss. Vielleicht verkaufst du auch einfach nur deine Anteile. In dem Fall kannst du die Direktversicherung privat fortführen, hast dann aber nicht mehr die gleichen Steuervorteile, sondern es findet bei Auszahlung eine Ertragsbesteuerung. Das bedeutet, dass alles Geld, was du privat einzahlst, nicht steuerlich absetzbar ist und bei Entnahme ca. 17 % besteuert werden (immerhin, statt 25 % Kapitalertragssteuer). Trotzdem bleibt die Einschränkung der lebenslangen Verrentung des Großteils des Vertragsguthabens. Im Vergleich zu einer privaten Rentenversicherung mit gleicher steuerlichen Behandlung ist das ein gravierender Nachteil, bei der die lebenslange Verrentung komplett umgangen werden kann.
Existiert eine Holding, ist die beste Möglichkeit, die bAV auf die Holding zu übertragen. Allerdings muss dafür ein Anstellungsverhältnis vorliegen. Wenn in der Holding nur ein ETF-Depot liegt und sonst nur der Jahresabschluss anfällt, könnte sich ein Geschäftsführer-Gehalt als nicht fremdüblich herausstellen. Auf der anderen Seite gibt es eine Angemessenheitsgrenze für bAV-Bezüge: Diese sollten nicht mehr als 75 % des Aktivlohns ausmachen. Ein einfaches Gehalt von 1.000 Euro als Verwalter des eigenen Vermögens erfüllt aus unserer Sicht aber alle Bedingungen.
Ohne Holding bleibt in der Regel nur die Beitragsfreistellung. Dann ist auch nicht mehr mit einer effektiven Geldanlage zu rechnen, weil die Vertragskosten bei so kurzer Einzahlung überproportional wirken. Nur wenn ein weiteres unternehmerisches Vorhaben folgt, kann der Vertrag so fortgeführt werden.
Wenn es wieder in eine Anstellung geht, kann lediglich der Vertragswert der GGF bAV auf eine etwaige neue Mitarbeiter-bAV übertragen werden, die dann über den neuen Arbeitgeber weiter bespart wird. Nachteil dabei: Aufgrund der bei Mitarbeiter-bAVs oft vorgesehenen Beitragsgarantie, wird das bis dato voll in ETFs investierte Vermögen teilweise in das ertragsarme Sicherungsvermögen des Versicherers umgeschichtet.
Dazu kommt, dass wir von vielen Mitarbeiter-bAVs ganz abraten würden. In dem Fall wäre eine Rüruprente auf privater Ebene von Vornherein die bessere, unkompliziertere Wahl gewesen.
Marktvergleich bAV-Tarife für GGF
Kommt jetzt noch eine Direktversicherung infrage, weil eine Holding vorhanden ist, oder langfristig ausschließlich unternehmerische Tätigkeit geplant ist, bleibt die Frage der Tarifauswahl und -gestaltung. Wichtig sind natürlich Kosten. Ebenso relevant ist jedoch Vertragsgestaltung sowie Fondsauswahl.
Als Honorarberater raten wir bei aufgeklärten Interessenten von Provisionstarifen ab (ebenso von Honorartarifen mit überzogenen Vermittlungshonoraren). In der Übersicht sind ausschließlich provisionsfreie Nettopolicen dargestellt. Wir berechnen für die Vermittlung pauschal 2.000 Euro plus 180 Euro Stundensatz für individuelle Beratung.
Beispiel
- Geschäftsführer, Geburtsjahr 1993
- Einzahlung des vollen geförderten Beitrags von 676 Euro:
- Keine/minimale Beitragsgarantie (Geld ist voll in Aktien-ETFs investiert)
- Angabe der Effektivkosten bei möglichst günstiger Fondsauswahl für ein weltweites Portfolio
- Rendite nach Fondskosten 6 % p.a.
- Minimale Rentengarantiezeit 5 Jahre (kein Hinterbliebenenschutz)
| Continentale Tarif RI | Volkswohl Bund Tarif Fonds Pur | LV 1871 Tarif MeinPlan | |
|---|---|---|---|
| Vertragskosten … auf Beitrag … auf Guthaben | 5,23 + 4,08* % fallend um 0,05 % p. a. *in den ersten 5 Jahren – | 3,9 % 0,28 % p. a. | 2,98 % 0,22 % p. a., mind. 30 € |
| Minimalgarantie (Investitionsquote zu Vertragsbeginn) | 0 %(100 %) | 0 %(100 %) | 10 %(95,12 %) |
| Effektivkosten exkl. Fondskosten | 0,30 % | 0,52 % | 0,29 % |
| Wählbare Fonds (davon ETF) | 184(51) | 115(54) | 154(79) |
| Flexibilität |
5/10
Extra Kosten bei Beitragsfreistellung: 0,9 % p. a. auf das Guthaben + 12 € |
8/10
Extra Kosten bei Beitragsfreistellung: 0,1 % p. a. |
10/10 Ohne Einschränkung |
| Rentenkapital mit 67 in € | 824.600 | 789.500 | 823.500 |
|
Rentenfaktor
(Rente pro 10.000 € Guthaben) garantiert / prognostiziert |
26,7529,75 | 27,8229,92 | 26,9429,22 |
| Auszahlung 30 % in € | 247.400 | 236.800 | 247.100 |
| Lebenslange Rente garantiert / prognostiziert in € | 1.5401.730 | 1.5401.720 | 1.5501.690 |
| Fondsgebundener Rentenbezug möglich? Prognostizierte Rente |
Ja, 2.520
Extra Kosten: 0,75 % p. a. auf das Guthaben |
Ja, 3.090
Keine Extra-Kosten höhere Investitionsquote als Continentale |
Nein |
| Digitaler Service | 7/10 | 8/10 | 10/10 |
Zunächst ist festzuhalten, dass die gezeigten drei Tarife aufgrund der richtigen Vertragsgestaltung alle schon eine hervorragende Wahl wären. Hochrechnungen über in dem Fall 34 Jahre bis zum Renteneintritt und dann nochmal über eine Entnahmephase, die nochmal so lang sein kann, sind mit Vorsicht zu genießen. Minimale Unterschiede in der Rendite aufgrund besserer Fondsauswahl kann die ganze Rechnung wieder deutlich verschieben.
Für Investment-affine Anleger ist die Möglichkeit des teils fondsgebundenen Rentenbezug bei der Entnahme im Alter sicher ein großer Faktor. Das bietet die LV 1871, die uns als Gesellschaft von diesen drei insgesamt am sympathischsten ist und aus unserer Sicht auch die beste Fondsauswahl bietet, in der bAV leider nicht an. Dazu muss man sagen, dass keine Kontrollmöglichkeit des Anlegers besteht. Man kann sich das auch nicht so vorstellen, dass einfach die Hälfte des Rentenkapitals investiert wird und bei Kursstürzen von der anderen Hälfte die Rente entnommen wird.
Versicherer berechnen die Investitionsquote im fondsgebundenen Rentenbezug mit komplizierten Risikomanagement-System. Im Falle eines Börsencrashs recht früh im Rentenbezug kann es durchaus passieren, dass die Investitions-Quote stark runtergefahren und nie wieder erhöht wird. Es gab in der Vergangenheit einige Finanzprodukte mit ähnlichen Konzepten (Clerical Medical, AXA TwinStar, Fairriester), bei denen das durch die Finanzkrise 2008 und den Covid-Crash 2021 passiert ist. Was blieb ist dauerhaft 25 % weniger Rente als beim klassischen Rentenbezug.
Fazit
Die Notwendigkeit eines fondsgebundenen Rentenbezugs lässt sich auch generell hinterfragen. Wenn in der Holding oder privat noch große Depots liegen, wäre man ohnehin in der Verlegenheit, im Alter die Aktienquote zu reduzieren. Stattdessen kann auch die bAV eher als ein defensiver Anteil des Gesamtvermögens betrachtet werden.
Und um noch eine Lanze für die LV 1871 zu brechen: Die Münchener erlauben bei schwerer Krankheit bei Renteneintritt eine ärztliche Prüfung der Restlebenserwartung zur Erhöhung des Rentenfaktors. Bei bestehender Krankheit lässt sich damit sicherstellen, dass vom Rentenkapital tatsächlich auch der Großteil ausgezahlt wird ohne zu große Sicherheits-Abschläge. Dazu wird auch bei Pflegebedürftigkeit (Grad 3 oder höher) die Rente verdoppelt - auch bei Auftreten im Laufe der Bezugszeit.
Im Summe beweist das Produktmanagement der LV 1871 für uns auch hier, wieso sie zum engsten Favoritenkreis von professionellen Vermögensverwaltern und Versicherungsmaklern gehört. Mit 79 ETFs und Indexfonds zur Auswahl lassen sich dort in der Geldanlage auch fortgeschrittene Faktorstrategien ebenso wie nachhaltige Investitionen.
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Dein Niklas Krämer
weitergedacht. Anlageberatung

