Ruhestandsplanung: Was Sie vor dem Ruhestand finanziell planen sollten

24.10.2026

Der Übergang vom Berufsleben in den Ruhestand ist finanziell eine der wichtigsten Veränderungen im Leben. Nachdem über Jahrzehnte regelmäßiges Einkommen, Sparen und Vermögensaufbau im Mittelpunkt standen, verändert sich die Perspektive im Ruhestand: Aus Einkommen und Vermögensaufbau wird die Frage, wie das vorhandene Vermögen sinnvoll eingesetzt wird.

Dabei geht es nicht nur darum, ob das eigene Vermögen "für den Ruhestand reicht". Entscheidend ist auch, wie Vermögen, Einnahmen und Ausgaben aufeinander abgestimmt sind.

Eine gute Ruhestandsplanung beantwortet deshalb Fragen wie: Wie hoch sind meine tatsächlichen finanziellen Bedürfnisse? Welche Einnahmen stehen mir im Ruhestand zur Verfügung? Wie viel Vermögen benötige ich als liquide Reserve? Wie sollte mein bestehendes Vermögen investiert sein? Und welches Vermögen kann möglicherweise bereits an die nächste Generation übertragen werden?

1. Den aktuellen Vermögensstatus vollständig erfassen

Am Anfang jeder Ruhestandsplanung steht eine Bestandsaufnahme. Dazu gehört mehr als ein Blick auf das Wertpapierdepot. Betrachtet werden sollten sämtliche relevanten Vermögenswerte und Verbindlichkeiten, beispielsweise:

  • Bankguthaben und Tages- und Festgeld

  • Wertpapierdepots und Fonds

  • private Renten- und Lebensversicherungen

  • betriebliche Altersversorgung

  • gesetzliche Rentenansprüche

  • selbst genutzte und vermietete Immobilien

  • Unternehmensbeteiligungen

  • sonstige Vermögenswerte

  • Darlehen und andere Verbindlichkeiten

Erst wenn das gesamte Bild bekannt ist, lässt sich beurteilen, ob das Vermögen zur persönlichen Lebensplanung passt. Dabei ist die Struktur des Vermögens entscheidend. Zwei Personen können über dasselbe Gesamtvermögen verfügen, aber aufgrund einer völlig unterschiedlichen Vermögensaufteilung vor sehr unterschiedlichen finanziellen Situationen im Ruhestand stehen.

2. Welche Einnahmen stehen im Ruhestand tatsächlich zur Verfügung?

Im nächsten Schritt wird betrachtet, welche regelmäßigen Einnahmen im Ruhestand zu erwarten sind. Dazu können unter anderem gehören:

  • gesetzliche Altersrente

  • betriebliche Altersversorgung

  • private Renten

  • Mieteinnahmen

  • Kapitalerträge

  • sonstige regelmäßige Einkünfte

Dabei sollte nicht nur mit Bruttobeträgen gerechnet werden. Entscheidend ist, welcher Betrag nach Steuern und Abgaben tatsächlich zur Verfügung steht.

Eine Ruhestandsplanung sollte außerdem unterschiedliche Zeitpunkte berücksichtigen. Wer beispielsweise mit 63 Jahren möglicherweise nur Teilzeit in Ruhestand geht, hat andere Einkommensquellen und finanzielle Bedürfnisse als jemand, der erst mit 67 Jahren aufhört zu arbeiten.

3. Den tatsächlichen Finanzbedarf im Ruhestand ermitteln

Die zentrale Frage lautet: Wie viel Geld wird im Ruhestand benötigt?

Hier lohnt es sich, genauer hinzusehen. Denn der finanzielle Bedarf ist häufig nicht über die gesamte Ruhestandsphase konstant. In den ersten Jahren nach dem Berufsleben stehen beispielsweise häufig Reisen, Hobbys oder andere größere Ausgaben im Vordergrund. Später können sich die Ausgaben verändern. Gleichzeitig können unregelmäßige größere Kosten entstehen – etwa für eine Immobilie, ein neues Auto oder möglicherweise Pflege und Betreuung.

Eine einfache Rechnung wie "monatlicher Bedarf × Jahre im Ruhestand" greift deshalb zu kurz. Sinnvoller ist es, die persönliche Lebensplanung über verschiedene Phasen hinweg zu betrachten: Welche Ausgaben entstehen regelmäßig? Welche größeren Ausgaben sind absehbar? Welche Wünsche sollen finanziert werden? Und welche finanziellen Risiken müssen berücksichtigt werden?

So entsteht ein realistisches Bild davon, welcher Liquiditätsbedarf im Ruhestand tatsächlich besteht.

4. Vermögen und Bedarf zusammenbringen

Jetzt werden Einnahmen, Ausgaben und vorhandenes Vermögen miteinander verbunden. Dabei kann sich beispielsweise zeigen, dass die laufenden Renteneinkünfte bereits einen großen Teil des gewünschten Lebensstandards abdecken und nur für bestimmte Jahre zusätzliche Entnahmen aus dem Vermögen notwendig sind.

Bei anderen Personen kann dagegen dauerhaft eine größere Differenz zwischen laufenden Einnahmen und gewünschtem Lebensstandard bestehen. Genau diese Differenz muss durch das vorhandene Vermögen finanziert werden.

Dabei geht es nicht nur um die Frage "Wie viel Vermögen habe ich?", sondern vor allem um die Frage: "Wie muss mein Vermögen strukturiert sein, damit es meinen finanziellen Bedarf im Ruhestand zuverlässig abdecken kann?"

Das ist der Kern einer professionellen Ruhestandsplanung.

5. Ruhestandsplanung ist Liquiditätsplanung

Mit dem Eintritt in den Ruhestand verändert sich der Umgang mit dem eigenen Vermögen. Das bedeutet allerdings nicht, dass das gesamte Vermögen plötzlich liquide und sicher angelegt werden sollte. Im Gegenteil: Auch im Ruhestand kann der Anlagehorizont noch mehrere Jahrzehnte betragen. Sinnvoll ist daher eine Betrachtung nach unterschiedlichen Zeithorizonten:

Kurzfristig:
Welche Ausgaben müssen in den kommenden Jahren sicher gedeckt werden?

Mittelfristig:
Welche Mittel werden beispielsweise für größere Anschaffungen, Reisen oder Immobilienmaßnahmen benötigt?

Langfristig:
Welcher Teil des Vermögens wird voraussichtlich erst in zehn, 15 oder 20 Jahren benötigt?

Diese Unterscheidung ist entscheidend. Geld, das kurzfristig benötigt wird, sollte anders strukturiert sein als Vermögen, das langfristig für den Lebensunterhalt benötigt wird. Ruhestandsplanung ist in erster Linie Liquiditätsplanung: Es geht darum, zu jedem Zeitpunkt ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung zu haben, ohne langfristig benötigtes Vermögen unnötig früh aus dem Kapitalmarkt zu entnehmen.

6. Die richtige Anlagestrategie im Ruhestand

Aus der Liquiditätsplanung ergibt sich anschließend die Frage nach der passenden Vermögensstruktur im Ruhestand. Dabei ist das Alter allein kein ausreichendes Kriterium für die Anlagestrategie. Entscheidend ist, wann welches Vermögen benötigt wird und wie hoch der persönliche finanzielle Spielraum ist. 

Wer beispielsweise bereits über eine hohe gesetzliche oder betriebliche Rente verfügt, die einen großen Teil der laufenden Kosten abdeckt, kann möglicherweise einen größeren Teil seines frei verfügbaren Vermögens langfristig investieren. Wer dagegen auf regelmäßige Entnahmen aus dem Depot angewiesen ist, benötigt möglicherweise größere liquide beziehungsweise risikoärmere Vermögensbestandteile.

Auch Immobilien, geplante größere Ausgaben und mögliche zukünftige Schenkungen sollten in diese Überlegungen einbezogen werden. Dann sollte ehrlich beantwortet werden, wie viel Risiko man sich angesichts eigenen Liquiditätsbedürfnisse tatsächlich noch leiten kann. 

7. Bestehendes Vermögen optimieren

Eine Ruhestandsplanung muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass das gesamte Vermögen neu aufgebaut oder vollständig umgeschichtet wird. Oft liegt ein erheblicher Mehrwert bereits darin, bestehende Vermögensstrukturen zu optimieren. Insbesondere ist zu prüfen:

  • Sind die laufenden Kosten meiner Anlagen noch angemessen?

  • Passt die aktuelle strategische Vermögensaufteilung zu meinem zukünftigen Liquiditätsbedarf?

  • Gibt es unnötige Überschneidungen oder Klumpenrisiken?

  • Sind vorhandene Versicherungs- und Altersvorsorgeverträge noch sinnvoll?

  • Wie können Steuern und Entnahmen langfristig berücksichtigt werden?

  • Welche Vermögenswerte sollten möglicherweise verkauft, reduziert oder anders strukturiert werden?

Gerade bei älteren Verträgen lohnt sich eine genaue Prüfung. Bei einem bestehenden Riester-Vertrag lohnt sich beispielsweise die Pürfung, ob eine Umdeckung in das neue Altersvorsorgedepot ab 2027 sinnvoll ist. 

Auch scheinbar kleine Kostenunterschiede können über viele Jahre einen erheblichen Einfluss auf Ihr Vermögen haben. Gleichzeitig sollte nicht allein auf die Kosten geschaut werden: Entscheidend ist immer, ob die gesamte Struktur zum persönlichen Ziel und zum individuellen Risiko- und Liquiditätsbedarf passt.

8. Ruhestand bedeutet mehr als die Finanzierung des Lebensunterhalts

Eine gute Ruhestandsplanung betrachtet nicht nur die Frage, ob die monatlichen Ausgaben gedeckt werden können. Der Ruhestand ist schließlich auch eine Phase, in der persönliche Wünsche und Ziele verwirklicht werden sollen.

Vielleicht möchten Sie in den ersten Jahren besonders viel reisen. Vielleicht soll eine Immobilie renoviert oder ein Wohnsitz verändert werden. Vielleicht möchten Sie Ihre Kinder oder Enkel finanziell unterstützen. Oder Sie möchten bereits zu Lebzeiten einen Teil Ihres Vermögens weitergeben.

All diese Ziele haben eine finanzielle Konsequenz. Deshalb sollte eine Ruhestandsplanung immer eine Lebensplanung mit finanziellen Zahlen sein. Das Ziel ist aber nicht, möglichst viel Vermögen bis zum Lebensende übrig zu haben. Das Ziel ist, das vorhandene Vermögen sinnvoll einzusetzen und finanzielle Engpässe in jeder Situation, beispielsweise auch bei Pflegebedürftigkeit, zu vermeiden.

9. Vermögen bereits zu Lebzeiten übertragen

Gerade bei größeren Vermögen stellt sich irgendwann auch die Frage, was mit dem Vermögen nach dem eigenen Ruhestand geschehen soll. Eine frühzeitige Vermögensübertragung auf die nächste Generation kann unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll sein. Dabei können beispielsweise Schenkungen, Freibeträge, Immobilien oder Wertpapiervermögen eine Rolle spielen.

Entscheidend ist jedoch die richtige Reihenfolge: Zuerst den eigenen Ruhestand finanziell abgesichern. Dann prüfen, welches Vermögen bereits zu Lebzeiten übertragen werden kann. Auch diese Entscheidung sollte deshalb Teil einer ganzheitlichen Ruhestandsplanung sein und nicht isoliert von der eigenen finanziellen Situation betrachtet werden.

Ruhestandsplanung: Mehr als eine einfache Rentenlücke

Eine professionelle Ruhestandsplanung ist weit mehr als die Berechnung einer Rentenlücke. Sie verbindet vier zentrale Fragen:

  1. Welches Vermögen und welche Einnahmen sind vorhanden?

  2. Wie hoch ist der tatsächliche finanzielle Bedarf im Ruhestand?

  3. Wie muss das Vermögen strukturiert sein, um den Bedarf zu decken?

  4. Wo bestehen Optimierungsmöglichkeiten?

Gerade bei größeren Vermögen können dabei viele verschiedene Bausteine zusammenkommen. Wertpapiervermögen, Immobilien, Versicherungen, Rentenansprüche und weitere Vermögenswerte sollten nicht isoliert betrachtet werden. Eine gute Ruhestandsplanung schafft deshalb vor allem Klarheit und einen konkreten finanziellen Fahrplan für die kommenden Jahrzehnte.


Sie möchten wissen, ob Ihr Vermögen für Ihren gewünschten Ruhestand ausreicht?

Wenn Sie vor dem Ruhestand stehen und Klarheit darüber gewinnen möchten, wie Ihr Vermögen für die kommenden Jahre und Jahrzehnte strukturiert werden sollte, kann eine professionelle Ruhestandsplanung sinnvoll sein.

Gemeinsam betrachten wir Ihre Vermögenssituation, Ihre zukünftigen Einnahmen und Ausgaben sowie Ihre persönlichen Ziele. Daraus lässt sich ableiten, welcher finanzielle Spielraum besteht, welche Vermögensstruktur sinnvoll sein kann und wo konkretes Optimierungspotenzial liegt. So schaffen Sie es, Ihr vorhandenes Vermögen so zu planen, dass es Ihnen im Ruhestand das ermöglicht, was Ihnen persönlich wichtig ist.

Bei Interesse kontaktieren Sie uns gern oder buchen Sie sich einfach rechts ein 15-minütiges Erstgespräch.


Niklas Krämer, Finanzökonom (EBS)

weitergedacht Anlageberatung

Zerifizierter Financial Planner Niklas Krämer
Zerifizierter Financial Planner Niklas Krämer