Vom Finanzberater zum Boots-Bauherren -Finanzplanung weitergedacht

14.07.2026

Was ist eigentlich Vermögensverwaltung? 

Ein Depot eröffnen, Wertpapiere auswählen, gelegentlich umschichten, Reporting verschicken? Das gehört selbstverständlich dazu. Die Regulatorik spricht von Finanzportfolio-Verwaltung – also der professionellen Verwaltung eines Wertpapierdepots. Für mich greift dieser Begriff allerdings zu kurz.

Ich interpretiere Vermögensverwaltung breiter. Für mich ist sie die natürliche Fortsetzung einer unabhängigen Finanzplanung, nämlich die anschließende Umsetzung - und zwar völlig unabhängig, rein im Interesse des Mandanten. 


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Vom Finanzplaner zum Boots-Bauherren

Vor rund neun Monaten kam eine Interessentin auf mich zu. Eine Britin, die seit einigen Jahren in Berlin lebt und nach einer größeren Erbschaft auf der Suche nach einer unabhängigen Vermögensverwaltung war. Nach Gesprächen mit einem anderen Anbieter und zwei Kennenlerngesprächen mit mir entschied sie sich für eine Zusammenarbeit mit mir.

Dabei merkte sie an, dass sie meine Vergütung von 0,8 % p.a. als hoch empfand. Das überraschte mich, im Vergleich zu deutschen Vermögensverwaltern ist das sehr fair. Möglicherweise spielte ihre Erfahrung mit dem britischen Markt eine Rolle, auf dem sich seit dem Provisionsverbot 2013 mehr Kostentransparenz durchgesetzt hat.

Umso mehr freute es mich, dass sie sich für die Zusammenarbeit mit mir entschied. Gemeinsam entwickelten wir zunächst eine Anlagestrategie. Obwohl sie zuvor kaum Erfahrung mit Kapitalmärkten hatte, entschied sie sich nach unserer Finanzplanung bewusst für eine offensive Ausrichtung ihres Portfolios – womit sie bis heute sehr zufrieden ist.

Sechs Monate später stand das erste Servicegespräch an, eigentlich um über die Entwicklung ihres Depots zu sprechen, ihre Liquiditätsplanung und mögliche Anpassungen. Stattdessen erzählte sie mir begeistert von einer Veranstaltung auf einem Hausboot, die sie mit einer Freundin besucht hatte. Seitdem könne sie den Gedanken nicht mehr loslassen, selbst eines zu besitzen.

Um sie damit nicht allein zu lassen, machte ich mich an die Recherche. Als ihr Vermögensverwalter wollte ich ihr ein realistisches Budget nennen, mit dem sie ihre Altersvorsorge nicht gefährdet, und auch eine Einschätzung, was sie dafür bekommen kann. 

Der Hausboot-Markt in Berlin

Ich habe Angebote von Hausbooten im Internet gesammelt und verglichen, mit Verkäufern gesprochen und mir ein Bild vom Markt gemacht. Das Ergebnis: Wenn man "einfach mal eben" ein gebrauchtes Hausboot in gutem Zustand kauft, ist man schnell bei 250.000 Euro, kleinere Modelle starten bei 150.000 Euro. Dazu kommen jedoch laufende Kosten für Liegeplatz und Instandhaltung.

Bei der Recherche lernte ich allerdings einen niederländischen Boots-Architekten kennen, der über Kontakte einen alten Finowmaß-Kahn mit attraktivem Liegeplatz in Berlin-Spandau in Aussicht hatte. Seine Idee: den Kahn restaurieren und zwei hochwertige Mini-Lofts darauf platzieren.

Nach mehreren Gesprächen und einer Besichtigung wurde deutlich, dass dieses Projekt im Verhältnis von Kosten und Nutzen (insbesondere in der Besonderheit) viel interessanter sein könnte als ein einfaches Hausboot. Das Projekt begeisterte mich sogar so sehr, dass ich entschieden habe, selbst mit Freunden das zweite Loft zu übernehmen. 

Ich auf Besichtigung des Finowmaß-Kahns
Ich auf Besichtigung des Finowmaß-Kahns

In dem Ausmaß kann ich das natürlich nicht für jeden Mandanten tun. Aber der Fall zeigt, wie weit Vermögens-verwaltung gehen kann. Das wird man wohl kaum bei einer Bank bekommen, wo (zumindest die guten) Berater Karriere machen wollen und alle paar Jahre von einer Bank zur nächsten wechseln und die Betreuung neuer Kundenbestände übernehmen. 

Heute würde auch die Kundin wahrscheinlich nicht mehr sagen, dass die Vergütung hoch sei. Ich empfinde eine solche Verwaltungsgebühr einfach immer auch als "Budget", um Nutzen zu stiften, wo ich helfen kann. Oft liegt das darin, schwierige Themen wie Nachfolgeplanung & Testament proaktiv anzusprechen. Umso schöner ist es, wenn es mal um ein Bootsprojekt geht.

Gute Vermögensverwaltung beginnt dort, wo Excel-Tabellen aufhören

So sehr ich mich für fortgeschrittene Portfolio-Theorie und meine Anlagestrategien begeistere, muss ich anerkennen, dass ich damit maximal 1 % p.a. Outperformance gegenüber einem einfachen ETF-Depot erzeugen kann und damit lediglich meine Kosten wieder reinhole. Der eigentliche Mehrwert entsteht oft an anderer Stelle.

Er entsteht dann, wenn finanzielle Entscheidungen miteinander verknüpft werden:

  • Wie wirkt sich ein Immobilienkauf auf die langfristige Vermögensstruktur aus?
  • Wie ist mit einem Erbe umzugehen`?
  • Wann lohnt sich Fremdkapital – und wann nicht?
  • Welche steuerlichen Auswirkungen haben Entscheidungen?
  • Wie lassen sich finanzielle Möglichkeiten so einsetzen, dass sie zu den persönlichen Lebenszielen passen?

Dort beginnt Finanzplanung. Und vorher hört auch Vermögensverwaltung nicht auf. 

Finanzplanung statt Produktberatung

Ich bin überzeugt, dass die Rolle eines Vermögensverwalters in den kommenden Jahren deutlich anspruchsvoller wird. Mandanten erwarten heute nicht mehr nur jemanden, der ein Depot verwaltet. Sie erwarten einen Sparringspartner für komplexe finanzielle Entscheidungen.

Deshalb investiere ich auch in meine Weiterentwicklung, zum Beispiel mit dem Studium zum Finanzökonom an der EBS Executive School. Mein Anspruch ist es, wissenschaftlich fundierte Anlagestrategien mit professioneller Finanzplanung und persönlicher Beratung zu verbinden. 


  

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Ich freue mich, dich kennenzulernen. 


Dein Niklas Krämer

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